Dr. Maximilian Hemgesberg,
Head of Regional Product and Supply Management, Specialty Films EMEA, Covestro Deutschland AG und Geschäftsführer Covestro Films GmbH

Maximilian arbeitet bei einem Großunternehmen der chemischen Industrie. Er schätzt an seiner Tätigkeit die Vielseitigkeit. Als Geschäftsführer hat er viele Gestaltungsmöglichkeiten, aber die Teamarbeit mit Kolleginnen und Kollegen ist der Schlüssel für den Erfolg.
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Was hast Du studiert?
Ich habe von 2004 bis 2009 Diplom-Chemie mit Schwerpunkt Anorganische Chemie an der RPTU in Kaiserslautern studiert und wurde dort auch promoviert. Berufsbegleitend habe ich von 2018 bis 2021 meinen MBA and der KEDGE Business School (Paris/Bordeaux/Marseille) erworben.
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Was hat Dich an diesem Studienfach gereizt?
Chemie ist für das Verständnis nicht nur des Lebens, sondern auch unseres Lebensalltags der entscheidende Schlüssel. Die Umwandlung von Materie, und wie wir uns als Menschen solche Prozesse zunutze machen, hat mich seit meiner Schulzeit fasziniert. Wie funktioniert das „Löschen“ blauer Tinte aus meinem Füller? Wie funktionieren Kopfschmerztabletten? Welche Technologien stecken hinter meinem Smartphone-Display, oder hinter der Matratze, auf der ich schlafe? Um Themen wie diese zu erkunden, habe ich mich für das Chemiestudium entschieden.
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Was war an Deinem Studium am interessantesten?
Mein ERASMUS-Auslandssemester and der University of Edinburgh wird immer einen besonderen Platz in meiner Erinnerung haben. In einem so internationalen Umfeld zu studieren war für mich persönlich eine wundervolle Erfahrung, und das Thema meines dortigen Forschungspraktikums fand ich ebenfalls sehr spannend: Ich arbeitete an Bor-haltigen metallorganischen Verbindungen, sogenannten Scorpionat-Komplexen.
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Was war für Dich die größte Herausforderung?
Ganz klar: Mathe! Ich hatte in der Oberstufe nur Mathe-Grundkurs, und schon der Vorkurs für Erstsemester*innen stellte mich vor relativ große Hürden, weil Inhalte mit einer bis dahin ungewohnten Dichte und Geschwindigkeit vorgestellt wurden – eigentlich als Rekapitulation, für mich aber weitgehend neu. Daher war die Klausur „Mathematik für Chemiker I“ tatsächlich für mich persönlich der Lackmustest, ob das Studium die richtige Perspektive bietet.
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Wie sah Dein Berufseinstieg aus?
Ich habe gegen Ende meiner Promotion im Jahr 2013 am damaligen Global Research Center der BASF in Singapur einen Forschungs- und Traineeaufenthalt absolviert. Direkt nach meiner Rückkehr habe ich mich unter anderem auf eine Stelle im Bereich Formulierung und Materialphysik in der Zentralforschung in Ludwigshafen beworben und war damit auch erfolgreich. Als Laborleiter hatte ich es mit vielen verschiedene industriell relevante Themen zu tun und konnte mit Kolleg*innen aus ganz unterschiedlichen Geschäftsbereichen zusammenzuarbeiten.
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Welche Aufgaben hast Du als Head of Regional Product Management und Geschäftsführer (Managing Director)?
Als regionaler Leiter der Abteilung Product and Supply Management für den Geschäftsbereich Specialty Films koordiniere ich bei Covestro zusammen mit meinen Teams die Produktionsplanung und die Belieferung unserer Kunden mit unseren Spezialfolien, ausgehend von unseren Standorten in Dormagen und Walsrode. Auch die Profitabilität unserer Produkte, die zeitgerechte Rohstoffbeschaffung und Teile der Lagerlogistik fallen in diesen Bereich. Als Geschäftsführer der Covestro Films GmbH bin ich zeitgleich auch für die Einhaltung der betrieblichen und gesetzlichen Anforderungen am Standort Walsrode verantwortlich. Hierzu gehören insbesondere behördliche, strategische und Personalthemen.
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Was begeistert Dich an Deiner Arbeit?
„Everyday something new!“ – so könnte ich es vermutlich zusammenfassen. Es gibt immer etwas Neues zu lernen in meinen Rollen, auch wenn rein chemische Themen nur noch einen kleinen Teil meines Alltags ausmachen. Die Verantwortung für die zukünftige Entwicklung einer Firma und die Gestaltungsmöglichkeiten in meiner Rolle als Geschäftsführer reizen mich ebenso, doch am Ende entsteht Leistung immer im Team: Das Beste an meiner Arbeit sind die vielen kompetenten, hilfsbereiten und engagierten Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich täglich im Austausch bin.
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Wie sehen Karrieremöglichkeiten in Bereich Lackchemie aus? (sowohl Entwicklung des Berufsfeldes als auch Karriereentwicklungsmöglichkeiten)
Auch wenn momentan die chemische Industrie in Deutschland mit strukturellen Herausforderungen kämpft – für junge Talente bietet sich nach wie vor große Chancen: Gerade wer chemisches Fachwissen im Kontext der neuen Arbeitswelt – Kreislaufwirtschaft, Digitalisierung, KI und Change-Management, um nur einige Zukunftsthemen zu nennen – denkt, wird in Zukunft gefragt sein. In großen Unternehmen können Chemiker*innen sich sowohl als Experten als auch Generalisten weiterentwickeln und neben der Forschung in so unterschiedlichen Bereichen wie Produktmanagement, Supply Chain, Anwendungstechnik, Produktion & Technologie, oder Sales & Marketing arbeiten. Dabei sammelt ihr neben breiter Fachexpertise oft auch Führungserfahrung auf unterschiedlichen Hierarchieebenen.
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Noch ein Tipp, für jemanden, der Chemie studieren will?
Das Chemiestudium gehört nach wie vor zu den arbeitsintensivsten Studiengängen, und durch die nach wie vor hohe Promotionsquote solltet ihr mit 8-10 Jahren bis zum Berufseintritt rechnen. Wichtig sind also nicht nur Leidenschaft fürs Fach und eine solide Neugier für naturwissenschaftliche Sachverhalte, sondern auch Durchhaltevermögen und Fleiß. Daneben gilt auch: Die Anforderungen des Arbeitsmarktes wandeln sich teilweise rascher als die Lehrpläne an den Universitäten – hier ist Eigeninitiative gefragt. In Summe gilt aus meiner Sicht: Do what you love – love what you do!





