Martin Adler, Risikomanagement

Die geäußerten Ansichten sind die des Interviewten und geben nicht die Meinung der EZB oder anderer Institutionen wieder.

Der promovierte Mathematiker Martin Adler ist im Risikomanagement bei der Europäischen Zentralbank tätig. An seiner Arbeit schätzt er besonders, dass sie das Leben der Menschen in der EU positiv beeinflusst.

Martin Adler
Martin Adler

  1. Was hast Du studiert?

    Im Oktober 2007 begann ich mein Studium der Mathematik an der Universität Tübingen. Während des Diplomstudiums wählte ich dann den Schwerpunkt Funktionalanalysis und Operatorentheorie. Und in der anschließenden Promotion beschäftigte ich mich mit der Theorie von strukturierten Störungen von Halbgruppen-Generatoren und entsprechenden Anwendungsfällen.

  2. Was hat Dich an Mathematik gereizt?

    Bereits in der Schulzeit interessierte mich die Mathematik, wobei ich den Grund für mein Interesse damals nicht konkret benennen konnte. Dann die Überraschung: Im Studium eröffnete sich ein neues Feld, angefangen mit den jahrtausendealten Grundlagen der Mathematik bis hin zu ganz neuen Sphären. Besonders durch diese Entdeckungsreise kann ich heute sagen: Fasziniert haben mich die hohe Kunst der Abstraktion und die Reduktion auf Logik.

  3. Was war an Deinem Studium am interessantesten?

    Drei Dinge fand ich am Mathematikstudium interessant. Erstens die schon erwähnte Abstraktion: Während die Schulmathematik – sprichwörtlich und mathematisch – meist im dreidimensionalen Raum verortet ist, erweitert das Studium den Blick auf n-dimensionale Räume und auf abstrakte Strukturen, die sich der direkten Vorstellung entziehen. Zweitens die Universalität: Wer genau hinsieht, entdeckt Mathematik plötzlich an vielen Stellen in der Natur. Und drittens die Inklusivität: Jede*r kann eine vorgeschlagene Beweisführung nachvollziehen.

  4. Was war für Dich die größte Herausforderung am Studium?

    Tatsächlich waren für mich die ersten Semester des Grundstudiums die größte Herausforderung. Nicht-Mathematiker*innen beschreibe ich diese Zeit stets als Kennenlernphase, um das notwendige Handwerkszeug zu erlernen. Weniger bildlich gesprochen ging es darum, den Umgang mit Beweisen zu erlernen, die allein auf logischem Denken beruhen und zur Lösung von Theoremen führen.

  5. Wie sah Dein Berufseinstieg aus?

    Bereits während des Studiums habe ich mich für den Finanzmarkt im Allgemeinen und Banken im Speziellen interessiert. Deshalb nahm ich nach Abschluss meiner Promotion eine Tätigkeit in der Bankenaufsicht auf. Da mein Studienfokus jedoch auf reiner Mathematik lag, galt es nun, in verschiedene praktische Themen einzutauchen. In dieser Zeit habe ich viel gelernt und bin dankbar für die Kolleg*innen, die mich auf diesem Weg begleiteten.

  6. Welche Aufgaben hast Du in Deinem aktuellen Beruf?

    Derzeit arbeite ich im Risikomanagement bei der Europäischen Zentralbank. Hierbei geht es darum, Regelwerke zu gestalten, um in den geldpolitischen Operationen des Eurosystems1 einen angemessenen Schutz vor finanziellen Risiken zu gewährleisten. So gesehen ist diese Arbeit ähnlich zu meiner Tätigkeit in der Bankenaufsicht, bei der ich das Risikomanagement von Banken prüfte.

  7. Was begeistert Dich an Deiner Arbeit?

    An meiner Arbeit begeistert mich die aktive Rolle beim Gestalten dieser Risikomanagement-Regelwerke. Zum einen ist es als Mathematiker inhaltlich spannend, weil ich datenbasiert und quantitativ arbeiten kann. Zum anderen gefällt mir die koordinative Tätigkeit: Ich arbeite gemeinsam mit Kolleg*innen aus anderen Fachbereichen und nationalen Zentralbanken. Insgesamt nehme ich meine Arbeit als wirkungsvoll wahr, weil sie einen positiven Einfluss auf das Leben der Menschen in der EU hat.

  8. Wie sehen die Karrieremöglichkeiten in Deinem Bereich aus?

    Bereits zu meiner Studienzeit galten die Berufsaussichten für Mathematikstudierende angesichts der zahlreichen Möglichkeiten und Perspektiven als vielversprechend. Ich bin optimistisch, dass sich auch künftig spannende Berufsfelder auftun. Denn die Kompetenz zum strukturierten, analytischen und kritischen Denken wird auch in Zukunft gebraucht.

  9. Welche Tipps würdest Du jemandem geben, der/die Mathematik studieren möchte?

    Das Studium der Mathematik eröffnet Dir eine neue Welt. Sei deshalb offen, neugierig und stelle viele Fragen. Und vergiss nicht, Dir Mitstreiter*innen für die Herausforderungen zu suchen, die ihr gemeinsam meistern könnt.

Bei Fragen zu Studium und Karriere könnt ihr mich gern über mein persönliches LinkedIn-Profil kontaktieren.

 

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1 Das Eurosystem besteht aus der Europäischen Zentralbank (EZB) und den nationalen Zentralbanken der Mitgliedstaaten, die den Euro eingeführt haben.